Studierende galten lange Zeit als Motor jeder politischen Bewegung. Doch nach den ergebnislosen Protesten rund um die Einführung der Studiengebühren 2002 wurde es still und viele begannen, die Studierenden abzuschreiben. Doch nun melden sie sich eindrucksvoll wieder auf der politischen Bühne zurück.
Das Audimax der Universität Wien ist normalerweise ein nicht sehr ansprechender Ort: Dunkelbraun gestrichene Holzverschalungen machen den Raum relativ duster. Studierende sitzen beengt in Reih und Glied in den Sitzreihen, machen Notizen über den Frontalvortrag der Professorin/des Professors, über deren/dessen Kopf die ewig gleich formatierte PowerPoint-Präsentation abläuft.
Doch das hat sich nun drastisch geändert: An den Wänden hängen überall bunte, handgemalte Transparente, Studierende sitzen essend und Kaffee trinkend auf den Tischen und an das Mikro, das normalerweise den ProfessorInnen vorbehalten ist, darf jeder, der etwas zu sagen hat. Und das sind sehr viele. Einige reden sich den Frust der letzten Jahre über die Studienbedingungen von der Seele und fordern lautstark Verbesserungen, andere haben Vorschläge für Arbeitsgruppen, und auch das eine oder andere Organisatorische wird besprochen und abgestimmt.
Audimax-Besetzung: Das ist unsere Uni!
Ausgehend von Studierendenprotesten an der Akademie der bildenden Künste, besetzten StudentInnen der Universität Wien am 22. Oktober kurzerhand den größten Hörsaal, das Audimax, und erklärten es zur herrschaftsfreien Zone unter studentischer Selbstverwaltung. „Das ist unsere Uni“, erklärt Michael, Geschichtsstudent im 6. Semester.
„Das ganze Gerede, dass wir Konsumenten der Uni sind, ist einfach nur Blödsinn. Bildung darf keine Ware sein und jetzt haben wir das in die Hand genommen. Wir bleiben so lange hier, bis sich was ändert!“
Die Liste, was genau sich denn ändern muss, ist relativ lange und reicht vom freien Hochschulzugang bis zur Einhaltung des Behindertengleichstellungsgesetzes.
Forderungskatalog und Arbeitsgruppen
Die Ausarbeitung dieses Forderungskatalogs nahm am Beginn der Bewegung einiges an Zeit in Anspruch. Die Proteste gingen nicht von der gesetzlichen Interessenvertretung der Studierenden, der ÖH, oder einer anderen Organisation aus und so erfolgte die Besetzung des Audimax noch bevor klar war, was man nun eigentlich konkret forderte.
„Das war schon teilweise ein bisschen mühsam“, gesteht Anna, Germanistikstudentin im 15. Semester.
„Jeder einzelne Punkt musste im Plenum ausdiskutiert und abgestimmt werden. Manche möchten einfach nur mehr Lehrveranstaltungen und besseres Essen in der Mensa, die anderen wollen gleich den Kapitalismus abschaffen. Und sich da auf etwas zu einigen, mit dem alle einverstanden sind, war nicht so einfach.“
Demokratisierung der Universitäten – nicht nur ein abstrakter Forderungspunkt der Studierenden, sondern nun gelebte Realität im Audimax. Innerhalb kürzester Zeit entstand auch eine Vielzahl an Arbeitsgruppen, in die sich jeder, der will, einbringen kann. Einige Studierende planen die nächste Vollversammlung, schreiben Presseaussendungen und kümmern sich um die Präsenz in der virtuellen Welt, via Homepage, Facebook und Twitter. Andere gründen Diskussions- und Arbeitsgruppen, die sich mit den verschiedensten Themen und Inhalten befassen.
Für ein besseres und selbstbestimmtes Lernen
Auch eine Volksküche, in der die Verpflegung für die BesetzerInnen bereitgestellt wird, wurde eingerichtet. „Es gibt Leute, die sagen, dass wir nur deswegen streiken, weil wir nicht in Vorlesungen gehen wollen, aber das stimmt nicht“, erzählt Volker, Politikwissenschaftsstudent und “Numerus-Clausus-Flüchtling aus Deutschland”, wie er sich selbst bezeichnet.
„Wir haben beschlossen, dass wir das Audimax in Zeiten, in denen keine Plena oder Besprechungen stattfinden, für Vorträge, Buchbesprechungen und Ähnliches nützen. Wir streiken ja für verbesserte und selbstbestimmtere Formen des Lernens. Außerdem habe ich durch diese Besetzung mehr über Politik gelernt als die letzten drei Semester in irgendwelchen Vorlesungen.“
Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne
Viele Organisationen, wie die GPA-djp, aber auch viele Einzelpersonen solidarisierten sich mit den Studierenden und gingen am 28. Oktober mit ihnen auf die Straße. Fast 30.000 forderten lautstark “Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne”. Diese Demonstration war ein großer Erfolg, aber auf die Frage, wie es nun weitergehen soll, zucken viele mit den Schultern. Greg, der sich selbst als “Idealist” beschreibt und eine grundlegende Bildungs- und Gesellschaftsreform anstrebt, vertritt in diesem Punkt eine pragmatische Haltung:
„Solange eine gewisse Anzahl Studierender das Audimax besetzt, wird die Besetzung auch aufrechterhalten. Und ob wir nächste Woche den Hörsaal räumen, besprechen wir nächste Woche.“
Bis dahin steht weiterhin “Basisdemokratie in Theorie und Praxis” auf dem Lehr- und Lernplan der BesetzerInnen.
Homepage “unibrennt”
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Desolate Zustände- die Uni brennt
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Das Audimax der Universität Wien ist normalerweise ein nicht sehr ansprechender Ort: Dunkelbraun gestrichene Holzverschalungen machen den Raum relativ duster. Studierende sitzen beengt in Reih und Glied in den Sitzreihen, machen Notizen über den Frontalvortrag der Professorin/des Professors, über deren/dessen Kopf die ewig gleich formatierte PowerPoint-Präsentation abläuft.
Doch das hat sich nun drastisch geändert: An den Wänden hängen überall bunte, handgemalte Transparente, Studierende sitzen essend und Kaffee trinkend auf den Tischen und an das Mikro, das normalerweise den ProfessorInnen vorbehalten ist, darf jeder, der etwas zu sagen hat. Und das sind sehr viele. Einige reden sich den Frust der letzten Jahre über die Studienbedingungen von der Seele und fordern lautstark Verbesserungen, andere haben Vorschläge für Arbeitsgruppen, und auch das eine oder andere Organisatorische wird besprochen und abgestimmt.
Audimax-Besetzung: Das ist unsere Uni!
Ausgehend von Studierendenprotesten an der Akademie der bildenden Künste, besetzten StudentInnen der Universität Wien am 22. Oktober kurzerhand den größten Hörsaal, das Audimax, und erklärten es zur herrschaftsfreien Zone unter studentischer Selbstverwaltung. „Das ist unsere Uni“, erklärt Michael, Geschichtsstudent im 6. Semester.
„Das ganze Gerede, dass wir Konsumenten der Uni sind, ist einfach nur Blödsinn. Bildung darf keine Ware sein und jetzt haben wir das in die Hand genommen. Wir bleiben so lange hier, bis sich was ändert!“
Die Liste, was genau sich denn ändern muss, ist relativ lange und reicht vom freien Hochschulzugang bis zur Einhaltung des Behindertengleichstellungsgesetzes.
Forderungskatalog und Arbeitsgruppen
Die Ausarbeitung dieses Forderungskatalogs nahm am Beginn der Bewegung einiges an Zeit in Anspruch. Die Proteste gingen nicht von der gesetzlichen Interessenvertretung der Studierenden, der ÖH, oder einer anderen Organisation aus und so erfolgte die Besetzung des Audimax noch bevor klar war, was man nun eigentlich konkret forderte.
„Das war schon teilweise ein bisschen mühsam“, gesteht Anna, Germanistikstudentin im 15. Semester.
„Jeder einzelne Punkt musste im Plenum ausdiskutiert und abgestimmt werden. Manche möchten einfach nur mehr Lehrveranstaltungen und besseres Essen in der Mensa, die anderen wollen gleich den Kapitalismus abschaffen. Und sich da auf etwas zu einigen, mit dem alle einverstanden sind, war nicht so einfach.“
Demokratisierung der Universitäten – nicht nur ein abstrakter Forderungspunkt der Studierenden, sondern nun gelebte Realität im Audimax. Innerhalb kürzester Zeit entstand auch eine Vielzahl an Arbeitsgruppen, in die sich jeder, der will, einbringen kann. Einige Studierende planen die nächste Vollversammlung, schreiben Presseaussendungen und kümmern sich um die Präsenz in der virtuellen Welt, via Homepage, Facebook und Twitter. Andere gründen Diskussions- und Arbeitsgruppen, die sich mit den verschiedensten Themen und Inhalten befassen.
Für ein besseres und selbstbestimmtes Lernen
Auch eine Volksküche, in der die Verpflegung für die BesetzerInnen bereitgestellt wird, wurde eingerichtet. „Es gibt Leute, die sagen, dass wir nur deswegen streiken, weil wir nicht in Vorlesungen gehen wollen, aber das stimmt nicht“, erzählt Volker, Politikwissenschaftsstudent und “Numerus-Clausus-Flüchtling aus Deutschland”, wie er sich selbst bezeichnet.
„Wir haben beschlossen, dass wir das Audimax in Zeiten, in denen keine Plena oder Besprechungen stattfinden, für Vorträge, Buchbesprechungen und Ähnliches nützen. Wir streiken ja für verbesserte und selbstbestimmtere Formen des Lernens. Außerdem habe ich durch diese Besetzung mehr über Politik gelernt als die letzten drei Semester in irgendwelchen Vorlesungen.“
Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne
Viele Organisationen, wie die GPA-djp, aber auch viele Einzelpersonen solidarisierten sich mit den Studierenden und gingen am 28. Oktober mit ihnen auf die Straße. Fast 30.000 forderten lautstark “Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne”. Diese Demonstration war ein großer Erfolg, aber auf die Frage, wie es nun weitergehen soll, zucken viele mit den Schultern. Greg, der sich selbst als “Idealist” beschreibt und eine grundlegende Bildungs- und Gesellschaftsreform anstrebt, vertritt in diesem Punkt eine pragmatische Haltung:
„Solange eine gewisse Anzahl Studierender das Audimax besetzt, wird die Besetzung auch aufrechterhalten. Und ob wir nächste Woche den Hörsaal räumen, besprechen wir nächste Woche.“
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