Während die Gehälter und Boni der Direktoren und Manager weiter wachsen, kämpfen die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich um ihre Gehaltserhöhung. In welchem Verhältnis stehen eigentlich Bezahlung und Leistung?
Kaum ein Wort wird in der politischen Debatte derzeit so stark missbraucht, wie der Begriff Leistungsträger. Ein echtes Unwort. Schon alleine die Tatsache, dass der Begriff niemals in der weiblichen Form verwendet wird, zeigt, was wir uns darunter vorzustellen haben: Der Leistungsträger ist männlich. Er verdient viel – vielleicht sogar einen sechs- bis siebenstelligen Eurobetrag –, was aber gerecht ist, selbst wenn er die Bank, die ihm anvertraut ist, in den Ruin führt. Denn er leistet ja auch viel. Er zahlt überdies viel zu viele Steuern und finanziert mit seinen Steuern und Abgaben diejenigen, die weniger (oder Gott behüte nichts) leisten, also die Nichtleistungsträger.
Wir sollen die verkehrte Logik akzeptieren, dass diejenigen, die weniger verdienen, auch weniger leisten. Wir sollen glauben, dass es gerecht ist, dass etwa die ArbeitnehmerInnen im Gesundheits- und Sozialbereich schlecht verdienen. Ein billiger Taschenspielertrick, der jedoch nicht aufgeht, weil diejenigen, die ihn ausgeheckt haben die Rechnung ohne die Gewerkschaft und ohne die Menschen in Österreich gemacht haben: In einer Umfrage des Instituts für Empirische Sozialforschung (IFES) im März 2009 bestätigte eine klare Mehrheit der Befragten die gewerkschaftliche Forderung nach einer besseren gesellschaftlichen und finanziellen Anerkennung der schwierigen und belastenden Arbeit im Sozial- und Gesundheitsbereich. 22.669 Menschen unterstützten in den folgenden Wochen die Initiative von GPA-djp und vida für eine bessere finanzielle Ausstattung dieses Bereichs und eine besseren Bezahlung der dort Beschäftigten. Fast 21.000 Menschen unterstützten im Jänner 2010 mit ihrer Unterschrift die ArbeitnehmerInnen im Gesundheits- und Sozialbereich bei ihrem Kampf um einen fairen KV-Abschluss. 7.000 Menschen gingen am 14. Jänner österreichweit trotz klirrender Kälte dafür auf die Straße.
Die große Solidarität mit jenen ArbeitnehmerInnen, die kranke und alte Menschen sowie Men- schen mit Behinderungen betreuen und pflegen, sich um Jugendliche kümmern, für den Neustart von Suchtkranken und Haftentlassenen sorgen oder bei Rettungsdiensten arbeiten, zeigt, dass die Menschen ihre eigene Vorstellung davon haben, wer in unserer Gesellschaft etwas leistet, wer also die Leistungsträgerinnen und Leistungsträger sind. Für uns als Gewerkschaft bedeutet das ein hohes Maß an Zustimmung zu unseren Forderungen: der besseren finanziellen Absicherung der Beschäftigten einerseits und des Gesundheits- und Pflegebereichs insgesamt. Es bedeutet aber auch ein hohes Maß an Verantwortung. Wir werden weiter die Menschen sensibilisieren und vor allem nicht locker lassen, bis wir gemeinsam unser Ziel erreicht haben.
Wolfgang Katzian,
Vorsitzender der GPA-djp
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