Verantwortung. Von Leistungsträgern wird in der politischen Debatte gerne gesprochen, wenn es darum geht, die hohen Gehälter der Manager zu rechtfertigen. Die Leistungen der Menschen, die dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft zusammenhält, werden selten erwähnt.
Wird Leistung gerecht bezahlt?
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Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Alles und jede(r) muss funktionieren. Erfolg und soziale Anerkennung drücken sich jedoch meist in Geld aus. Doch sind es eigentlich all jene Manager mit den hohen Gehältern, die unsere Gesellschaft zusammenhalten? Sind es wirklich all die Player auf virtuellen Schauplätzen wie den Aktienmärkten, die den Menschen ein Gefühl der Sicherheit geben?
Die derzeitige Wirtschaftskrise hat uns gezeigt, dass so mancher Direktor letztendlich dafür bezahlt wurde, sehr viel Geld in den Sand zu setzen. Wer sind die wahren LeistungsträgerInnen? Eine britische Studie bestätigt, was uns der gesunde Menschenverstand schon lange zugeflüstert hat:
Das Gehalt reflektiert nicht den wahren Wert, der durch eine bestimmte Arbeit geschaffen wird.
Putzfrauen wertvoller als Manager?
Ökonomen der “New Economic Foundation” haben den gesellschaftlichen Wert der Arbeit verschiedener Berufsgruppen ermittelt. Das Resultat: eine Putzkraft in einem Spital schafft für jeden Euro Lohn, den sie erhält, einen sozialen Wert von elf Euro; elf Euro, die gleiche Summe, wird von einem topbezahlten Werbedirektor pro Euro Lohn vernichtet. Sind also Putzfrauen wertvoller? Ja, eindeutig, wenn man sich den Beitrag ansieht, den sie für die Gesellschaft leisten.
Für ihre Analysen verwendeten die Forscher die “soziale Investitionsrechnung” (Social Return on Investment). Im Gegensatz zu herkömmlichen betriebswirtschaftlichen Ansätzen wird hierbei neben dem wirtschaftlichen auch der gesellschaftliche und ökologische Wert quantifiziert, der durch eine bestimmte Arbeit geschaffen oder zerstört wird.
Das Gehalt reflektiert oft nicht den sozialen Wert einer Tätigkeit. Die Studienautoren wünschen sich eine Gesellschaft mit einer Lohnstruktur, die Arbeitsstellen auszeichnet, die den meisten sozialen Nutzen bringen, und nicht Profite auf Kosten von Umwelt und Gesellschaft machen. Das Ziel ihrer Studie ist es daher auch nicht, Berufsgruppen mit hohem Gehalt zu diskreditieren oder mehr Lohn für schlecht bezahlte Jobs zu fordern. Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres:
Es sollte einen Zusammenhang geben zwischen dem, was der Einzelne für eine Arbeit bezahlt bekommt, und dem Wert, den er oder sie für die Gesellschaft schafft.
Gutverdiener als Geldvernichter
Insgesamt haben die Ökonomen sechs Berufsgruppen analysiert. Hier eine Auswahl: TopmanagerInnen in Banken verdienen in Großbritannien zwischen 550.000 und 88 Millionen Euro pro Jahr – und vernichten im gleichen Zeitraum den siebenfachen Wert. KinderbetreuerInnen oder Reinigungskräfte im Spital schaffen mit jedem eingenommenen Euro hingegen rund zehn Euro sozialen Mehrwert. Das negativste Resultat haben die Forscher für SteuerberaterInnen errechnet: Dank ihrer Kenntnisse gehen für jeden Euro, den sie verdienen, rund 50 Euro für die Gesellschaft verloren.
Der Kitt der Gesellschaft
Sehen wir uns die wahren Leistungsträgerinnen an: Frauen, die tagtäglich mit Menschen arbeiten und sich um eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen bemühen.
Da wäre Jana Vankova, 47-jährige Krankenschwester mit tschechischen Wurzeln. Seit vielen Jahren arbeitet sie im Hospiz der Caritas Socialis und begleitet schwer kranke Menschen in ihren letzten Tagen und Stunden. „Man bekommt viel zurück von den sterbenden Menschen, denn man lernt, wie sie diese schwierige Situation bewältigen“, schildert Vankova. Als Ausgleich zu dem belastenden Berufsalltag geht sie gerne in die Natur oder macht Yoga.
Was „bringt“ nun Frau Vankova unserer Gesellschaft? Sie betreut sterbende Menschen. Sie versucht
die letzten Tage, Wochen oder Monate tot kranker Menschen so schön und angenehm wie möglich zu machen. Da sind Kleinigkeiten wichtig, die den Menschen aber sehr viel geben: ein warmes Bad, angenehme Musik, im Sommer kurz auf die Terrasse hinaus …
Frau Vankova spricht auch mit den Angehörigen sterbender Menschen – die können oft nicht verstehen, dass es nun so schnell gehen soll. Verstehen nicht, dass sie nichts tun können. Da ist Zuhören wichtig. Frau Vankova erklärt die Situation – immer und immer wieder.
Immer für die Kinder da
Martina Sattmann, 48-jährige Kindergartenpädagogin aus Wien und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Wie viele andere Mütter in Österreich – will sie neben einer verantwortungsvollen Tätigkeit auch Zeit für die eigenen Kinder finden. Neben der Teilzeitbeschäftigung von 31 Stunden beschränkt sich die Kommunikation mit dem halbwüchsigen Sohn oft auf ein telefonisches „Hast du was gegessen? „Hast Du Deine Aufgabe gemacht? Warst Du mit dem Hund draußen?“ Und wieder ab in die Gruppe. Dort warten bis zu 28 Kinder zwischen drei und sechs Jahren.
Diese wollen gefördert werden, sie stellen Fragen, brauchen Beschäftigung, Trost oder sind manchmal einfach nur “schlimm”. „Wir tun´s ja für die Kinder“ ist Frau Sattmanns Leitmotiv. So versuchen die Pädagoginnen trotz Personalknappheit und sinkender finanzieller Ressourcen, den ihnen anvertrauten Kindern eine bessere Ausgangsposition für die Schullaufbahn zu schaffen.
Im Kindergarten lernen die Kleinsten viele Grundlagen für das spätere Leben: Rücksichtnahme auf andere, Respekt vor anderen Kulturen, aber auch ganz simple Dinge wie mit Messer und Gabel zu essen. Frau Sattmann ist sich ihrer Verantwortung bewusst:
„Wir sind Richterinnen, Polizei und Erstversorgung in einer Gruppe von Kindern, die später einmal für unser Land Verantwortung zeigen sollen, als lebensbejahende, kreative und arbeitsfähige Menschen.“
Hilfe für die Jugend
Christa Preining leitet die Einrichtung “Back on Stage” für den 16. und 17. Wiener Gemeindebezirk. Die 47-jährige mobile Jugendarbeiterin versteht ihre Tätigkeit als wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention. „Die Arbeitserfahrung hat gezeigt, dass Jugendliche, die etwas mit Leidenschaft tun und in ihrem kreativen Schaffen auch von anderen wahrgenommen werden, weniger Gewalt ausüben, aber auch seltener Opfer von Gewalt werden“, erklärt Preining den präventiven Arbeitsansatz ihres Teams. Die mobilen JugendarbeiterInnen begleiten die Jugendlichen während der Pubertät und bieten leicht erreichbare Hilfestellungen zu den brennenden Fragen dieses Lebensabschnitts:
Schulprobleme, Berufsorientierung, Sexualität, Liebe und erfüllende Freizeitbeschäftigung.
Im Gegensatz zu den Eltern projizieren die mobilen JugendarbeiterInnen keine Erwartungen in die jungen Menschen, sie bewerten und verurteilen nicht. Die Jugendlichen fühlen sich akzeptiert und aufgefangen, weil sie sozusagen dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen – auch wenn sie Fehler gemacht haben. „Indem wir die Jugendlichen in ihren Talenten und Fähigkeiten fördern, lernen sie auch besser mit ihren eigenen Problematiken, etwa zeitweise aggressivem Verhalten, umzugehen“, so Preining.
Doch warum sind eigentlich die Sozialberufe, die unsere Gesellschaft zusammenhalten und stärken, nicht besser bezahlt? Es liegt an uns allen, diese Leistungen auch entsprechend wertzuschätzen und zu achten. Denn wir selbst als Gesellschaft bestimmen langfristig, welche Leistung monetär wie bewertet wird.
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