Sozialbereich am Belastungslimit

Finanzierungsbedarf. Sozialmilliarde und Pflegefonds dringend gefordert.

Für Pflege und Betreuung braucht es dringend mehr Geld. Nicht nur die Gewerkschaften, auch die Arbeitgeber aus dem Sozialbereich pochen auf rasches Handeln. In 20 Jahren wird laut einer Prognose der Statistik Austria jede/r Neunte in Österreich über 75 Jahre alt sein.

Die GPA-djp fordern gemeinsam mit der Gewerkschaft vida eine Sozialmilliarde und mittelfristig die Schaffung eines Pflegefonds, der aus Vermögenssteuern finanziert werden soll.

Wenn die Reichen in diesem Land einen fairen Anteil an den Steuern zahlen, dann ist genug Geld für den Ausbau von Pflege und Betreuung und die Sicherstellung fairer Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten da“,

erklärt GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian. ‘Sozialbereich am Belastungslimit’ weiterlesen

„Manchmal könnte man wirklich verzweifeln“

Interview. Der Schriftsteller Dimitré Dinev über Migration, die Macht des Geldes und Barmherzigkeit.

KOMPETENZ: Im Sommer demonstrierten Tausende Menschen gegen die Abschiebung der Familie Zogaj. Glauben Sie an die Wirkung solcher Aktionen?

Dinev: Grundsätzlich glaube ich an die Kraft der Solidarität. Je mehr Menschen sich solidarisch zeigen, desto größer wird die Chance, dass Gesetze, die für MigrantInnen in den letzten Jahren immer unmenschlicher geworden sind, wieder korrigiert werden. Ich halte die moralische Kritik an Gesetzen einer Regierung für sehr wichtig.

KOMPETENZ: Sie selbst sind aus Bulgarien geflüchtet. In Ihrem neuen Buch zum Thema Barmherzigkeit weisen Sie auf konkrete Menschen hin, die Ihnen geholfen haben, in Österreich Fuß zu fassen. ‘„Manchmal könnte man wirklich verzweifeln“’ weiterlesen

Verspekulierte Pensionen

Eigenvorsorge. Nachdem man den ÖsterreicherInnen die privaten Pensionskassen mit windigen Versprechungen schmackhaft gemacht hat, stellt sich das Produkt nun als eine Mogelpackung heraus. Die Verluste gehen zulasten der ArbeitnehmerInnen und PensionistInnen.

In den nächsten fünf Jahren werden die Pensionsfonds in der EU um 50 Prozent steigen. Das zeigt, dass in der individuellen und betrieblichen Vorsorge sehr viel drinnen steckt“,

teilte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, am 29.12.2000 der Kronen Zeitung mit. Wer jüngeren ArbeitnehmerInnen einzureden versuche, Eigenvorsorge sei nicht notwendig, handle fahrlässig.

Privat ist besser als Staat“, reimte dazu passend der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser und meinte damit nicht nur die Privatisierung von Unternehmen, sondern auch die von der blau-schwarzen Regierung eingeleiteten Schritte zu einer “hoch attraktiven Eigenvorsorge”. ‘Verspekulierte Pensionen’ weiterlesen

Engagement und Vielfalt

Allen populistischen Unkenrufen zum Trotz: Das Zusammenleben von zugewanderter und einheimischer Bevölkerung kann gut funktionieren. Was man dazu braucht? Bemühen, Toleranz und Verständnis auf beiden Seiten. Dann gewinnen alle.

Die 19-jährige Faila Fundi kam vor fünf Jahren mit ihren Eltern aus dem Kongo nach Wien. Ihr Deutsch ist inzwischen so gut, dass sie bereits das dritte Jahr eine Lehre im Einzelhandel absolviert. Fundi ist dabei eine von 300 jungen Frauen und Männern, die derzeit von der Supermarktkette Spar in deren eigener Akademie ausgebildet werden. Dabei wird Interkulturalität groß geschrieben, betont der Leiter der Akademie, Jörg Schielin.

Seit vielen Jahren gibt es in dieser privaten Berufsschule das Unterrichtsfach “Kulturpflege”. Hier werden die verschiedenen Religionen vorgestellt, wird zu Zivilcourage ermutigt, zu Toleranz aufgefordert. Hier erzählt auch jeder Lehrling über seinen eigenen kulturellen Hintergrund – das steigert das Selbstwertgefühl jedes Jugendlichen und schafft ein wertschätzendes Miteinander. ‘Engagement und Vielfalt’ weiterlesen

Perspektivenwechsel

Dwora SteinWir haben uns in der Arbeitswelt umgesehen und mit Menschen gesprochen, die aus anderen Kulturen stammen und in Österreich leben und arbeiten. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe gilt diesmal ihnen. Sie heißen Danijela, Surpreet oder Dimitré, und sie haben eines gemeinsam: Sie haben sich bestens integriert in unserer Gesellschaft, auch wenn der Weg dorthin manchmal steinig war.

In der GPA-djp gibt es bereits eine längere Tradition, wenn es um die Integration dieser Menschen in der Arbeitswelt geht: Die Interessengemeinschaft work@migration ist eine Plattform von MigrantInnen, die sich für MigrantInnen und deren Unterstützung einsetzt. Hier wählen sich MigrantInnen basisdemokratisch und aus ihrer Mitte ihre eigenen VertreterInnen in ihrer Gewerkschaft. Dieses gewerkschaftliche Netzwerk dient dem Erfahrungsaustausch, der Kommunikation und der Verbindung mit Gleichgesinnten. ‘Perspektivenwechsel’ weiterlesen

Ausgabe 9/2010

Inhaltlich geht es in der September Ausgabe unter anderem um:

… und noch um manches mehr. Das Magazin online durchblättern …

„Es wird keine Einbahnlösung geben.“

ArbeitszeitInterview. Karl Proyer, Chefverhandler der GPA-djp für die Angestellten in der Metallindustrie, über die gescheiterten Arbeitszeitverhandlungen und die aktuellen Herausforderungen in der Kollektivvertragspolitik.

KOMPETENZ: Die Arbeitgeber sagen, der gute Abschluss bei der Herbstlohnrunde in der Metallindustrie sei nur deshalb möglich gewesen, weil damals auch das Arbeitszeitpaket vereinbart worden sei.

Proyer: Das ist Unsinn! Die Arbeitgeber lassen hier die Tatsache unter den Tisch fallen, dass auch die Gewerkschaften im Herbst 2009 ein Forderungspaket zur Arbeitszeit vorgelegt haben. Wenn nun die Arbeitgeber einen Zusammenhang mit der Höhe des Abschlusses herstellen, dann ist das der beste Beweis, dass es der Gegenseite nur um Lohn- und Gehaltskürzungen gegangen ist. Wir verschließen uns den Vorschlägen der Arbeitgeber nicht, es wird aber sicher keine Einbahnlösung geben. ‘„Es wird keine Einbahnlösung geben.“’ weiterlesen

Die GPA-djp im Web 2.0

Social Media. Millionen von Menschen nutzen tagtäglich die interaktiven Medien im Internet. Eine moderne Gewerkschaftsbewegung kann sich den Herausforderungen der neuen Kommunikation nicht verschließen.

Die “Uni brennt”-Bewegung österreichischer Studierender oder Initiativen gegen rechte Politik, wie z. B. der Lichtertanz gegen Rosenkranz beweisen, dass im Web 2.0 mehr möglich ist als Party-Fotos und Szene-Tratsch. Geglückte politische Bewegungen vernetzen sich verstärkt in den “Social Media” wie Weblogs, Twitter, Facebook und YouTube; ebenso fand auf internationaler Ebene die Mobilisierung gegen die Regierung Berlusconi oder die Bewegung gegen das Regime im Iran im Web 2.0 statt.

Auch immer mehr Unternehmen entdecken die Bedeutung der Präsenz in diesen Kommunikationskanälen. „Gewerkschaften dürfen sich den Chancen und Möglichkeiten, die soziale Medien bieten, nicht verweigern“, so das Credo des deutschen Journalisten und Arbeitsrechtlers Andreas Skowronek. ‘Die GPA-djp im Web 2.0′ weiterlesen

Zwischen McJobs, Studium und Arbeitslosigkeit

Wolfgang KatzianPerspektiven. Jung, gut ausgebildet, flexibel, belastbar und bescheiden beim Gehalt. So wün- schen sich Arbeitgeber ihren Nachwuchs. Junge Menschen auf Jobsuche sind zu allem bereit.

Arbeitgeber stellen hohe – oft kaum erfüllbare – Anforderungen an die jungen Menschen auf Jobsuche und bieten nur wenig. Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt machts möglich. Was aus Sicht der Unternehmer kurzfristig lukrativ erscheint – mit billigen bis kostenlosen Arbeitskräften Personalengpässe abzudecken –, hat für die Gesellschaft fatale Folgen.

Junge Menschen (fast) gratis arbeiten zu lassen, stellt eine Entwertung der Person genauso wie der Ausbildung dar. Zudem ist es für eine Gesellschaft nur schwer zu verkraften, wenn ihrer Jugend die Perspektiven fehlen und hoch qualifizierte Menschen so zur “Generation Praktikum” werden, die jahrelang mit McJobs und Umgehungsverträgen ihr Arbeitsleben fristet. ‘Zwischen McJobs, Studium und Arbeitslosigkeit’ weiterlesen

Dauerbaustelle Bildung

Reformbedarf. „Bildung soll allen zugänglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen”, wusste schon der chinesische Gelehrte Konfuzius. SchülerInnen, StudentInnen und Lehrlinge warten in Österreich schon zu lange auf Chancengleichheit im Bildungsbereich.

Vom “höchstmöglichen Bildungsniveau”, das der gesamten Bevölkerung unabhängig von Herkunft und finanzieller Lage gesichert werden muss, ist in der österreichischen Verfassung die Rede. Die Realität sieht aber anders aus: So belegt die PISA-Studie, dass im Jahr 2007 mit 30 Prozent weitaus mehr Eltern mit einfachem Pflichtschulabschluss ihren Kindern den Besuch eines Kindergartens vorenthielten als AkademikerInnen (fünf Prozent).

Während hier mit dem verpflichtenden Kindergartenjahr versucht wird, gegenzusteuern, gibt es einstweilen nur theoretische Lösungen, um diese herkunftsbedingten Selektionseffekte in der Schullaufbahn zu vermeiden. Je niedriger das Einkommen der Eltern, desto eher wechseln die Kinder auch mit guten Zeugnissen nach der Volksschule nicht in die AHS. So streben 58 Prozent aller 15-jährigen Kinder von Eltern, die niedrig qualifizierte Tätigkeiten ausführen, keine Matura an, während 77 Prozent aller gleichaltrigen Kinder von Eltern in höheren oder führenden Tätigkeiten Schulformen besuchen, die mit der Matura abschließen. ‘Dauerbaustelle Bildung’ weiterlesen