Seit den 70iger Jahren sind neoliberale Ideologien die Leitbilder gesellschaftlicher Entwicklung. In den öffentlichen Debatten wird Neoliberalismus zumeist als ein Set an politischen Praktiken und Maßnahmen verstanden, die auf die Entfaltung privatwirtschaftlicher Logiken und die strukturierende Macht der Märkte abzielen, wie zum Beispiel die Freiheit des Kapital und Güterverkehrs. Diese Betrachtung des Neoliberalismus als vorwiegend politisches und makroökonomisches Projekt, verstellt jedoch oft den Blick auf die (inner-) betriebliche Ebene von Neoliberalisierungsprozessen.
Hier der Entwurf zum Downloaden: Leistungslohn als neoliberales Projekt_MB_JH
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Tags: Leistungslohn, Neoliberalismus
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Als eine der zentralen Forschungsfragen wird auf Seite 4 genannt: “Werden Zusammenhänge zwischen der Durchsetzung der Leistungslohnsysteme und den gesellschaftlichen/individuellen Folgen (Entsolidarisierung zwischen den ArbeitnehmerInnen, vermehrte Krankheit/Depressionen/Burnout) hergestellt und wie werden diese bewertet?”
Erforscht werden soll also die Wahrnehmung des Zusammenhangs zwischen Leistungslohnsystem und seinen Folgen. Diese Folgen wie Entsolidarisierung und vermehrte Krankheit werden vorausgesetzt. Die Forschungsfrage gründet sich also auf Annahmen, die – wie ein Blick in den weiteren Forschungsplan zeigt – nicht empirisch unterfüttert werden.
Nächste Frage: Wenn es diese Folgen gibt – liegt die Ursache dann tatsächlich im Leistungslohnsystem? Die Forschungsfrage geht ja nur auf “Herstellung” – also die Wahrnehmung des Zusammenhanges ein – nicht auf die Frage, ob dieser Zusammenhang tatsächlich besteht.
Es ist zu unterscheiden zwichen der Entfaltung dieses Zusammenhanges in der unternehmerischen Praxis und seiner (Re-)Konstruktion in den Köpfen.
Das sind zwar “nur” Nebenfragen – aber Fragen, die über die Seriosität des Forschungsvorhabens entscheiden. Wie überall in der Wissenschaft ist es auch in der Soziologie wichtig, auf einem stabilen empirischen und theoretischen Fundament aufzubauen. Sonst besteht die Gefahr, dass nur die eigenen Vorurteile bestätigt werden.
Trotz dieser Kritik: Ich finde das Forschungsvorhaben hoch interessant und bin auf die Ergebnisse gespannt!
Mit kollegialen Grüßen
Christian Wachter

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