Archiv zur 'Bildungspolitik' Kategorie

Schulfilm: “1+1=100 oder Die Schule des Lebens”

Wer an Bildung denkt, denkt recht schnell auch an Schule – vor allem als ehemalige/r oder derzeitige/r SchülerIn, als Elternteil oder als LehrerIn. Was geht einem dabei zuerst durch den Kopf? Die KlassenkollegInnen, Noten, nette und weniger nette LehrerInnen, Schularbeiten? Die Schulzeit prägt über lange Zeit das Leben eines jeden von uns.

Bild: www.dokit.at

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Viele denken auch an aktuelle und immer wieder kehrende bildungspolitische Debatten, in denen nicht selten die Bildung als ausschlaggebender Faktor für künftige Entwicklungen angesehen wird. Damit ist es meist nicht weit zu Bildungsreformen, da das bestehende Schulsystem schnell eine Vielzahl von Kritikern findet. Im Aufzeigen von Mängeln geht häufig mindestens zweierlei verloren: Erstens der Blick auf die konkrete Neugestaltung, die sich kaum jemand vor Augen führen kann, wenn von neuen pädagogischen Konzepten und Unterrichtsmodellen und Schulformen die Rede ist. Damit werden auch gleich die existierenden positiven Beispiele für neue Wege im Schulwesen vernachlässigt. Zweitens gehen vor allem die Stimmen der direkt Betroffenen “von Schule” verloren, jene der Kinder bzw. SchülerInnen, die jeden Tag in der Schule aktiv sind – die Frage ist nur, in welcher Form sie ihre Neugier, ihre Fähigkeiten, ihren Spaß am Neuen (= Lernen) in Aktivität umwandeln und ausleben können.

“Schule anders!” Ein Film als Anschauungsmaterial!

“Hier gefällt’s mir eigentlich sehr gut. Wenn ich Politiker oder Kanzler von Österreich wäre, tät’ ich viele solche Schulen bauen.” (Leon, Schüler, 7, www.dokit.at/1plus1ist100)

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Bildungspolitik: OECD empfiehlt Neue Mittelschule für alle!

Zwei wesentliche Aspekte zeichnen das österreichische Bildungssystem aus:
1. Es beinhaltet ein differenziertes Schulsystem, in dem nach Kindergarten und den ersten vier Jahren in der Volksschule eine Entscheidung über den weiteren Bildungsweg getroffen wird. Hier wird – in der Regel maßgeblich durch die Eltern und LerherInnen – entschieden, ob Kinder entweder in einer Neuen Mittelschule (bis vor Kurzem Hauptschule) oder im Gymnasium weiter den Schulunterricht besuchen.
2. Das österreichische Bildungssystem wirkt durch diese Trennung hochgradig selektiv. Die Entscheidung zwischen bisheriger Hauptschule und Gymnasium hat maßgeblichen Einfluss darauf, welche Bildungsniveaus Kinder später erreichen und damit auch darauf, welche Lebenschancen und Berufsmöglichkeiten sie später haben. Grundsätzlich gilt: je höher der Bildungsabschluss, desto bessere Aussichten und Chancen. Außerdem gilt: wer in ein Gymnasium geht, erlangt eher einen höheren Bildungsabschluss (und hat damit bessere Aussichten).

(c) BilderBox

(c) BilderBox

Diese Zusammenhänge mögen in der Beobachtung der eigenen Kinder durch die Eltern oder des Schulalltags durch die LehrerInnen nicht immer offensichtlich sein, sind aber statistisch in vielen bildungssoziologischen Studien seit spätestens den 1960er Jahren immer wieder herausgearbeitet worden – beispielhaft könnte man sagen: “von Bourdieu bis PISA” (es ließen sich aber auch andere Namen einsetzen).
Wer will, kann sich damit abfinden und sich auf den Standpunkt zurückziehen, dass Kinder eben unterschiedliche Talente, Begabungen und Fähigkeiten haben und daher später auch unterschiedliche Chancen haben sollen. Weiterlesen ‘Bildungspolitik: OECD empfiehlt Neue Mittelschule für alle!’

GPA-djp Jugend bleibt bei NEIN zu Studiengebühren!

Befürworter sollen sich für Vermögenssteuer stark machen – Universitäten und Studierende brauchen mehr Geld!

Bald zwei Jahre ist es her, dass die österreichischen Universitäten die größte Protestwelle seitens der Studierenden seit Jahrzehnten erlebt haben. Die Politik hat darauf kaum bis gar nicht reagiert, die Situation an den Universitäten ist unverändert. “Lösungsvorschläge”, die immer wieder aufkommen, gehen allesamt in dieselbe Richtung: Beschränkung des Hochschulzugangs und Studiengebühren als zusätzliche Finanzierungsquelle. Diese Konzepte klingen einfach, Nebenwirkungen wie die Verschärfung der sozialen Lage der (großteils jetzt schon berufstätigen) Studierenden und auch die sozial selektiven Auswirkungen werden dabei jedoch konsequent außer Acht gelassen.

„Als ob die Kürzung der Familienbeihilfe, die Verdoppelung des Beitrages zur studentischen Selbstversicherung und steigende Preise in StudentInnenheimen nicht schon belastend genug wären, werden offenbar immer mehr Stimmen für die Wiedereinführung der Studiengebühren und auch für die Einführung von Studienbeschränkungen laut” stellt Rene Pfister, GPA-djp Bundesjugendvorsitzender entsetzt fest.
„Anstelle den freien Hochschulzugang als illusorisch zu bezeichnen, wie das jüngst die Salzburger Landeshauptfrau Burgstaller getan hat, ist die Politik – allen voran der zuständige Minister Töchterle – aufgerufen, endlich Taten zu setzen,” fordert GPA-djp Bundesjugendsekretär Helmut Gotthartsleitner. Rektoren, die das Streichen einzelner Studienrichtungen überlegen müssen und engagierte junge Menschen, die sich ein Studium nicht leisten können oder gar keinen Studienplatz bekommen, seien das Resultat der Versäumnisse der ÖVP-Wissenschaftsministerinnen.
„Zu groß sind die Probleme der völlig unterfinanzierten Universitäten und der Studierenden. Gerade für Kinder aus ArbeiterInnenfamilien ist es schon jetzt äußerst schwierig, es überhaupt bis auf die Universitäten zu schaffen. Der Nebenjob wird für immer mehr junge Leute zu prekären Hauptbeschäftigung, um sich das Studium überhaupt leisten zu können”.

Nach wie vor wird nicht über die nötigen Budgetmittel für die Universitäten, die derzeit in Österreich keinem internationalen Vergleich Stand halten, diskutiert. Gesellschaftlich gerecht aufgeteilte Chancen und Möglichkeiten entstehen durch die Beseitigung von volkswirtschaftlichen Schieflagen, einer Aufteilung des Steueraufkommens zugunsten einer Entlastung von Arbeit und einer stärkeren Besteuerung von Vermögen und Reichtum, um sozialstaatliche Investitionen in Bildung aber auch Gesundheit, Umwelt etc. tätigen zu können.

“Es braucht keine weiteren Hürden, sondern eine dringende Entlastung der Studierenden und ihrer Familien”, so Pfister und Gotthartsleitner abschließend: „Anstatt laut über Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren nachzudenken, sollten sich alle, die das tun, vehement für die Einführung einer Vermögenssteuer stark machen! Die Universitäten brauchen mehr Geld, Bildung muss uns etwas wert sein!”

Die Herkunft entscheidet über Bildungschancen – nicht die Fähigkeiten

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Ganz Österreich erhält die beste Bildung! Ganz Österreich? Nein! Wie uns Studien seit Jahrzehnten – nicht erst seit den PISA-Studien! – vor Augen führen, ist es nach wie vor keineswegs ausgemacht, dass alle Kinder die „beste Bildung“ erhalten.
Man mag zunächst unterschiedlicher Ansicht darüber sein, was die „beste Bildung“ für ein Kind ist. Unumstritten ist Bildung eine wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Darüber hinaus ist bestmögliche Bildung für die gesamte Bevölkerung deshalb eine wesentliche Zielsetzung, da mit zunehmender Bildung auch die Chancen am Arbeitsmarkt und die Gehaltsaussichten steigen. Kurz gewandt: je mehr Personen höhere bzw. höchste Bildungsabschlüsse erlangen, desto positiver wirkt sich das auf den gesellschaftlichen Wohlstand und den sozialen Frieden aus. Es geht aber nicht ausschließlich um höchste Bildungsabschlüsse für alle, sondern auch um qualitativ hochwertige Bildung auf allen Niveaus und vor allem auch darum, dass nicht nur jene Teile der Bevölkerung in den Genuss “bester Bildung” gelangen, die bereits auf einem soliden Bildungsfundament stehen. Das ist in Österreich aber der Fall. Weiterlesen ‘Die Herkunft entscheidet über Bildungschancen – nicht die Fähigkeiten’

Bildung hat Funktion – aber welche genau?

Eine Empfehlung für alle an Bildungsdiskussionen Interessierte:

Die Veranstaltung “Unsere Gesellschaft aus dem Geist der Schulklasse” widmet sich der staatlichen Organisation von Bildung.

Die Schule und unser(e) Bildungsbegriff(e) sind wieder Thema für Debatten, Analysen und auf Reformen abzielende Konzepte. Dabei bleibt es zu oft abgehobenen Essays vorbehalten, den Kern der sozialen Institution Bildung und ihre essentielle Funktion zu hinterfragen.

Lernräume: Architektur für alte und neue Schulen

Mit den Debatten um Bildungsreformen ist jede/jeder zumindest halbwegs am täglichen politischen Geschehen interessierte Mensch in Österreich mittlerweile vertraut; dabei vor allem auch mit den im Schulbereich prominentesten Diskussionspunkten, nämlich der Gesamtschule (auch “gemeinsame Schule” bzw. anhand der “Neuen Mittelschule”) und der Ganztagsschule. Selten begeben sich die Diskussionen auf die Ebene von Umsetzungsdetails und notwendigen Maßnahmen, zu sehr wird noch um Grundsatzentscheidungen gekämpft.
Bei vielen sinnvollen Vorschlägen stellt sich jedoch gerade das Problem, wie neue bzw. neu gestaltete Schulen und neu organisierte Lernprozesse überhaupt aussehen können. Wie können moderne pädagogische Konzepte, die bisherige zeitliche und räumliche Vorgaben aufbrechen wollen in unseren alten Schulgebäuden umgesetzt werden? Die Frage des Schulbaus bzw. was die Architektur zu diesen Fragen zu sagen hat, hat eine entscheidende Bedeutung, wird aber kaum in den Mittelpunkt gerückt.
Im 2010 beschlossenen Leitantrag Bildung der GPA-djp findet sich dazu folgende Forderung:

Infrastrukturelle Maßnahmen zur Schaffung zeitgemäß gestalteter Schulen, in denen ganztägig gelernt (Lernraum für SchülerInnen) und gearbeitet (Arbeitsplatz inkl. Büros für pädagogisches und anderweitig betreuendes Personal) werden kann, mit Möglichkeiten für ausgewogenes Mittagessen sowie Kreativ- und Bewegungs- bzw. Sportraum. (Seite 135)

Hier sind Profis gefragt, die Erfahrungen, Know How und Kreativität einbringen. In welche Richtungen Lösungsansätze in diesem Bereich gehen können, welche “Wechselbeziehung zwischen dem architektonischen Raum und dem Lehren und Lernen” bestehen und wie aus alten neue Schulen gemacht werden können ist Thema der Ausstellung

“Fliegende Klassenzimmer – Wir machen Schule”
vom 3. März 2011 – 30. Mai 2011
im Architekturzentrum Wien.

Auch im Rahmen des 4. Internationalen Alfred Dallinger Symposiums (4.-5. April 2011) wird es die Möglichkeit zur speziellen Auseinandersetzung mit dem Thema geben, und zwar im

Workshop 1: “Wozu alle Wände niederreißen? Wie durch sanfte Maßnahmen des Schulbaus bestehende Lernorte verbessert werden können.”


Bildungsabteilung der GPA-djp

Verantwortlich: W. Drizhal.

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