Mehr als 400.000 Arbeitslose, aber rund 25.000 offene Stellen, für die sich niemand findet – wie geht das zusammen? Ulrike Huemer, Arbeitsmarktexpertin des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) rückt im KURIER-Gespräch einige Vorurteile zum Thema Arbeitsmarkt zurecht.
Im Artikel wird AMS-Chef Johannes Kopf zitiert:
Wenn es um einen Job geht? “Sie sind nicht wahnsinnig flexibel und mobil” - ein 17-jähriger Burgenländer gehe lieber stempeln als nach Tirol oder Salzburg arbeiten.
Also dem Herrn Kopf zur Erinnerung: Was bedeutet “wahnsinning” – das Wort “wahnsinnig” geht bis ins 15 Jhdt. zurück bedeutet also in etwa “ohne Sinn und Verstand”. Da die Formen des Phänomens “Wahnsinn” sehr vielfältig sind, können die Interpretationen dessen, was als Symptom dieses Zustands anzusehen ist, sehr unterschiedlich ausfallen. In jedem Fall bewegen sich die Verhaltensweisen und Ausdrucksformen der Wahnsinnigen in bestimmter Weise außerhalb der Norm. Die Betroffenen sind damit aus der Mitte ihrer sozialen Umwelt – im buchstäblichen Sinne – “ver-rückt”.
Also welche Normen hätte der AMS-Chef gerne?
- dass jede/r kreuz und quer durch Österreich fährt, seinen Lebensmittelpunkt hin und her verschiebt
- dass der Berufsschutz aufgehoben wird – die Wichtigkeit von Bildung wird zwar immer betont – aber danach bezahlt zu werden – ist nicht wahnsinnig flexibel
- Arbeiten um jeden Preis am besten mit flexibler Auslegung der Arbeitsrechte
- …
Verrückt – Oder?
Im Artikel der Kleinen Zeitung vom 27.1.2010 erzählt der 52 jährige Grazer Dieter Schöner über seinen Zustand als “Arbeitsloser”:
Da sei eine große Scham, gesteht der 52-Jährige, in dieser Situation der Arbeitslosigkeit “als Asozialer” gesehen zu werden. Er habe es anfangs selbst nicht glauben können, wie schnell da alle Hoffnung niedergerasselt sei.
Der ORF-Salzburg widmet sich der Selbstständigkeit, die von ehemaligen Beschäftigten oft als letzter Ausweg von der Arbeitslosigkeit gesehen wird. Selbst in diesen schwierigen Situationen lauern oftmals dubiose Geschäftemacher mit der “Mogelpackung” Subunternehmerschaft. Peter Niederreiter von der Schuldnerberatung schildert im ORF-Artikel:
“Das sind zumeist Leute, die aus einer Notlage heraus quasi selbstständig ‘gemacht’ werden. Da gibt es zum Beispiel Speditionen, die sagen: ‘Wir stellen Dir einen Kleintransporter zur Verfügung. Anstellen können wir dich nicht, aber wenn Du dich selbstständig machst, bekommst Du von uns die Aufträge.’
Bei den Gründen für ihre Überschuldung geben 2008 bei der Schuldenberatung 22 % der Beratenen ihre “gescheiterte Selbstständigkeit” an.
Gründe für Überschuldung
Einfachnennungen bei Erstberatungen 2008
19%
Arbeitslosigkeit /
Einkommensverschlechterung
22%
Selbstständigkeit
18%
Umgang mit Geld
9%
Bürgschaften /
Mithaftungen
7%
Scheidung /
Trennung
8%
Wohnraumbeschaffung
15%
sonstige
Gründe
Arbeitslosigkeit bzw.
Einkommensverschlechterung,
z.B. durch Kurzarbeit, Wegfall von
Überstunden oder PartnerInnen-
Einkommen
Gescheiterte Selbstständigkeit
erscheint mit 22% bei
Einfachnennung von Gründen
für Überschuldung am häufigsten.
Unter Umgang mit Geld wird
der mangelhafte oder ungeplante
Umgang mit Geld bzw.
die inadäquate Haushaltsbudgetplanung
(Ausgaben sind nicht an
die Einkommenslage angepasst)
verstanden.
Sonstige
Gründe beinhalten
beispielsweise
persönliche Härtefälle
(Krankheit, Tod, …), Unterhaltsverpflichtungen,
Sucht, Straffälligkeiten
und Ähnliches.
Bei einer Vielzahl der KlientInnen von
Schuldenberatungen tritt jedoch eine
Kombination aus mehreren Gründen auf,
die statistisch nicht eindeutig erfassbar
ist: Schuldenprobleme werden oft durch
eine Kombination aus Arbeitslosigkeit und
Scheidung oder durch Scheidung und
Bürgschaft virulent.
Ein Artikel im Kurier -
Montag, 9.00 Uhr morgens, AMS. Die Stimmung ist so düster wie das Wetter. Auffallend viele Junge sind ohne Job. Eine Reportage von Iga Niznik
Die Warteräume sind gut gefüllt, aber stehen muss niemand. Es herrscht Stille, nur zwischendurch werden Namen aufgerufen. Patrick S.* wartet tief im Stuhl versunken. Er hat seine Kappe ins Gesicht gezogen, Stöpsel im Ohr. Auf seiner “Meldung zur Stellensuche” ist zu lesen: Beruf: Bäcker. Angelernte Tätigkeiten: Maurer, Betonierer. S. ist 25 und hat seine Stelle am Bau verloren. “Da ist es gerade recht aussichtslos, ich werde es als Bäcker probieren.” Seinen Beruf mag er wegen der Arbeitszeiten nicht, lieber wäre ihm eine Stelle am Bau, trotz der Temperaturen.
Übrigends das AMS wird von Security beschützt. Wer beschützt die Menschen vor dem Greuel der Arbeitslosigkeit?
In einem Artikel der Presse am Wochende geht Franz Schellhorn folgender These von ÖVP-Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka nach:
Je mehr Menschen ohne Arbeit sind, desto eher weichen sie auf den Schwarzmarkt aus, räsonierte Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) Mitte der Woche.
Nicht die Arbeitslosen sind die Verursacher einer steigenden Schattenwirtschaft, sondern die ungebrochene starke Nachfrage nach deren Tätigkeit – wie es im Artikel heisst. Wieviele Bauunternehmer profitieren von Schwarzarbeit und melden ihre Beschäftigten nicht ordnungsgemäß an? Arbeitslose, armutsgefährdeten Menschen werden schamlos von diesen für ihre Profitinteressen ausgenutzt – hier ist politische Aktivität gefragt.
Veit Sorger, als Präsident der Industriellenvereinigung oberster Lobbyist für die 3.500 Großindustriellen dieses Landes, verspricht im Ö1-Interview Anpassungen der Industrie und Erhöhungen der Arbeitslosenzahlen unter dem Motto:
“Wir sind gut beraten, uns darauf vorzubereiten, dass es Rückschläge geben wird.”
Dass bei diesen Herren immer nur die Kreativität bei ihren Bankgeschäften gegeben ist. Darüber redet man natürlich nicht, wenn man als Mitglied einer Investorengruppe an der Hypo Alpe Adria verdient. Bei der Kreativität, Arbeitslosigkeit zu verhindern, dazu fällt ihm nichts mehr ein! So ein Zufall? Wie wärs mit
- Arbeitszeitverkürzung, die die vorhandene Arbeit besser verteilt
- Reduzierung der Überstunden – vielfach werden Überstunden geleistet und nicht bezahlt
- Einführung einer Wertschöpfungsabgabe – ich frage mich wie lange es sich die KleinunternehmerInnen von den Industriellenbossen gefallen lassen, dass sie die Steuern zahlen und die die Subventionen kassieren
- Gerechtere Versteuerung der wirklich Reichen – der 60.000 Superreichen ÖsterreicherInnen
Ich denke, wir hätten genügend Vorschläge für die IV …
Immer mehr Kündigungen, immer mehr Sperren von Arbeitslosengeld und sofort wird denen, die am meisten in der Krise leiden “Missbrauch” unterstellt. Der wahre Missbrauch findet in viel höheren Etagen statt. Blickt man auf mache Chefsesseln, die hemmungslos spekulieren – wer sperrt hier – wer muss sich von diesen Herren melden – hier wird in unserer Gesellschaft eindeutig mit zweierlei Maß gemessen…
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So titelte der Kurier in seiner Ausgabe am 10. Dezember. Anläßlich der Präsentation des Projekts von Sonja Wehsely muss ein Ausspruch von ihr für die Verantwortlichen in der Bundes- und den Landesregierungen als Leitsatz für das kommende Jahr sein
…brauchen besondere Hilfe, um wieder ein eigenständiges Leben, mit eigenem Einkommen führen zu können. Arbeit zu haben, heiße auch, Würde und Lebensinhalt zu finden.
Organisiert wird “Step2job” in Kooperation des Arbeitsmarkstservice mit der MA 40 und dem WAFF, dem Wiener Arbeitnehmerinnen Förderungsfonds (WAFF).
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In der heutige Ausgabe des Kurier wird eine IFES-Studie, die im Auftrag der AK-OÖ durchgeführt wurde, zitiert, wonach 33 Prozent der ArbeiterInnen trotz Erkrankung in die Arbeit gehen, weil sie Angst vor dem Jobverlust haben.
ORF-Oberösterreich präsentiert die IFES-Studie der AK-Oberösterreich.
Jeder Zweite geht trotz Krankheit zur Arbeit
In Österreich geht fast jeder zweite Beschäftigte (42 Prozent) zur Arbeit, obwohl er krank ist. Das ergab eine Studie des Instituts für Empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich.
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