Mehr als 400.000 Arbeitslose, aber rund 25.000 offene Stellen, für die sich niemand findet – wie geht das zusammen? Ulrike Huemer, Arbeitsmarktexpertin des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) rückt im KURIER-Gespräch einige Vorurteile zum Thema Arbeitsmarkt zurecht.
Im Artikel wird AMS-Chef Johannes Kopf zitiert:
Wenn es um einen Job geht? “Sie sind nicht wahnsinnig flexibel und mobil” - ein 17-jähriger Burgenländer gehe lieber stempeln als nach Tirol oder Salzburg arbeiten.
Also dem Herrn Kopf zur Erinnerung: Was bedeutet “wahnsinning” – das Wort “wahnsinnig” geht bis ins 15 Jhdt. zurück bedeutet also in etwa “ohne Sinn und Verstand”. Da die Formen des Phänomens “Wahnsinn” sehr vielfältig sind, können die Interpretationen dessen, was als Symptom dieses Zustands anzusehen ist, sehr unterschiedlich ausfallen. In jedem Fall bewegen sich die Verhaltensweisen und Ausdrucksformen der Wahnsinnigen in bestimmter Weise außerhalb der Norm. Die Betroffenen sind damit aus der Mitte ihrer sozialen Umwelt – im buchstäblichen Sinne – “ver-rückt”.
Also welche Normen hätte der AMS-Chef gerne?
- dass jede/r kreuz und quer durch Österreich fährt, seinen Lebensmittelpunkt hin und her verschiebt
- dass der Berufsschutz aufgehoben wird – die Wichtigkeit von Bildung wird zwar immer betont – aber danach bezahlt zu werden – ist nicht wahnsinnig flexibel
- Arbeiten um jeden Preis am besten mit flexibler Auslegung der Arbeitsrechte
- …
Verrückt – Oder?
Abgleiten in die Armut muss verhindert werden
Die Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp, Dwora Stein bezieht sich in einer Presseaussendung auf die Ergebnisse einer Sonderauswertung zum Arbeitsklimaindex der AK-Oberösterreich
”Die heute von der AK-Oberösterreich präsentierte Sonderauswertung des Arbeitsklima-Index bestätigt eindrucksvoll die gewerkschaftliche Forderung nach einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes.”
Vier von zehn Arbeitslosen haben zudem mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen.
Wer seinen Job verliert, hat Probleme damit, die monatlichen Fixkosten zu decken. Für 43 Prozent der Arbeitslosen reicht das Einkommen nach eigenen Angaben nicht zum Leben aus. Bei den Beschäftigten sind es hingegen nur sieben Prozent, die mit dem Geld nicht auskommen.
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1,5 Billionen Euro haben die Zentralbanken seit der Finanzkrise erschaffen. Sie gaben sie den Banken, die damit der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen sollten. Doch bei Autoherstellern und Maschinenbauern ist das Geld nie angekommen. Wo ist es geblieben?
In dem Artikel der “Zeit” gehen die RedakteurInnen einer entscheidenden Frage nach:
Ganz am Anfang jedoch gilt es herauszufinden, woher das Geld stammt, das den Kapitalismus zu neuem Leben erwecken sollte. Man muss sich noch einmal an jenem 24. Juni 2009 zu Herrn S. in die Bank begeben, oder genauer: an den Ort, von dem er sich das Geld holte, an den Sitz der Europäischen Zentralbank, in den Eurotower, einen dieser typischen Frankfurter Glaskästen.
Der Artikel zum Downloaden: DIE ZEIT Alsdas GeldvomHimmelfiel
„Wir brauchen neue Regeln für Managergehälter“, sagt AK Direktor Werner Muhm anlässlich einer Diskussionsveranstaltung der Arbeiterkammer. Kurzfristige Gewinnmaximierung, exorbitante Zuwachsraten für AktionärInnen und ManagerInnen – das sind die Zutaten, die maßgeblich zur aktuellen Wirtschafts-krise beigetragen haben.
Auf dem Blog der Rosa Luxenburg – Stiftung gibt es einen Beitrag, der sich mit dem Buch der beiden Soziologen Richard Cloward und Frances Fox Piven “Aufstand der Armen” (engl.: Poor People’s Movements) beschäftigt. In ihrem Werk setzen sie sich mit sozialen Bewegungen auseinander
Warum erreichen soziale Bewegungen ihre Ziele manchmal und warum manchmal nicht? Wann erreichen sie mit welchen Mitteln welche Ziele? Wie können soziale Bewegungen im Kapitalismus über Anpassungen und Regulation hinaus ernsthafte systemische Veränderungen bewirken?
Im Artikel der Kleinen Zeitung vom 27.1.2010 erzählt der 52 jährige Grazer Dieter Schöner über seinen Zustand als “Arbeitsloser”:
Da sei eine große Scham, gesteht der 52-Jährige, in dieser Situation der Arbeitslosigkeit “als Asozialer” gesehen zu werden. Er habe es anfangs selbst nicht glauben können, wie schnell da alle Hoffnung niedergerasselt sei.
Standard 25.1.2010: Wifo-Chef für “Vitaminstoß” für die Wirtschaft
In dem Artikel prognostiziert Karl Aiginger vom Wifo einen Anstieg der Arbeitslosenrate bis 2013 auf 8,3 Prozent. Er geht davon aus, dass es Ende Jänner knapp 400.000 arbeitslose Menschen in Österreich geben wird.
Gleichzeitig betont er im Artikel, dass das Defizit um eine Milliarde niedriger ausgefallen ist. als erwartet. Er empfiehlt:
Die Konsolidierung des Haushaltes sei erst für 2011 angesagt, jetzt sollte die Regierung für mehr Wachstum und Strukturreformen sorgen. “Wir haben in einem Jahr gespart, in dem es nicht notwendig war.”
Hartz IV und Arbeitslosigkeit – in der Politik ist das ein Dauerthema. Und in dieser Woche wurde die Debatte bestimmt durch den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.
Jan Kröger schreibt wöchentlich die Kolumne für detektor.fm
Koch forderte, Hartz IV-Empfänger müssten als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung unbedingt einer Beschäftigung nachgehen. Er plädierte also für eine Arbeitspflicht. Bei einer Arbeitslosenzahl von fast vier Millionen ziemlich zynisch, fanden viele. Auch unser Kolumnist Jan Kröger denkt so, aber er will wenigstens einer Versuchung widerstehen.
Der ORF-Salzburg widmet sich der Selbstständigkeit, die von ehemaligen Beschäftigten oft als letzter Ausweg von der Arbeitslosigkeit gesehen wird. Selbst in diesen schwierigen Situationen lauern oftmals dubiose Geschäftemacher mit der “Mogelpackung” Subunternehmerschaft. Peter Niederreiter von der Schuldnerberatung schildert im ORF-Artikel:
“Das sind zumeist Leute, die aus einer Notlage heraus quasi selbstständig ‘gemacht’ werden. Da gibt es zum Beispiel Speditionen, die sagen: ‘Wir stellen Dir einen Kleintransporter zur Verfügung. Anstellen können wir dich nicht, aber wenn Du dich selbstständig machst, bekommst Du von uns die Aufträge.’
Bei den Gründen für ihre Überschuldung geben 2008 bei der Schuldenberatung 22 % der Beratenen ihre “gescheiterte Selbstständigkeit” an.
Gründe für Überschuldung
Einfachnennungen bei Erstberatungen 2008
19%
Arbeitslosigkeit /
Einkommensverschlechterung
22%
Selbstständigkeit
18%
Umgang mit Geld
9%
Bürgschaften /
Mithaftungen
7%
Scheidung /
Trennung
8%
Wohnraumbeschaffung
15%
sonstige
Gründe
Arbeitslosigkeit bzw.
Einkommensverschlechterung,
z.B. durch Kurzarbeit, Wegfall von
Überstunden oder PartnerInnen-
Einkommen
Gescheiterte Selbstständigkeit
erscheint mit 22% bei
Einfachnennung von Gründen
für Überschuldung am häufigsten.
Unter Umgang mit Geld wird
der mangelhafte oder ungeplante
Umgang mit Geld bzw.
die inadäquate Haushaltsbudgetplanung
(Ausgaben sind nicht an
die Einkommenslage angepasst)
verstanden.
Sonstige
Gründe beinhalten
beispielsweise
persönliche Härtefälle
(Krankheit, Tod, …), Unterhaltsverpflichtungen,
Sucht, Straffälligkeiten
und Ähnliches.
Bei einer Vielzahl der KlientInnen von
Schuldenberatungen tritt jedoch eine
Kombination aus mehreren Gründen auf,
die statistisch nicht eindeutig erfassbar
ist: Schuldenprobleme werden oft durch
eine Kombination aus Arbeitslosigkeit und
Scheidung oder durch Scheidung und
Bürgschaft virulent.
Ein Artikel im Kurier -
Montag, 9.00 Uhr morgens, AMS. Die Stimmung ist so düster wie das Wetter. Auffallend viele Junge sind ohne Job. Eine Reportage von Iga Niznik
Die Warteräume sind gut gefüllt, aber stehen muss niemand. Es herrscht Stille, nur zwischendurch werden Namen aufgerufen. Patrick S.* wartet tief im Stuhl versunken. Er hat seine Kappe ins Gesicht gezogen, Stöpsel im Ohr. Auf seiner “Meldung zur Stellensuche” ist zu lesen: Beruf: Bäcker. Angelernte Tätigkeiten: Maurer, Betonierer. S. ist 25 und hat seine Stelle am Bau verloren. “Da ist es gerade recht aussichtslos, ich werde es als Bäcker probieren.” Seinen Beruf mag er wegen der Arbeitszeiten nicht, lieber wäre ihm eine Stelle am Bau, trotz der Temperaturen.
Übrigends das AMS wird von Security beschützt. Wer beschützt die Menschen vor dem Greuel der Arbeitslosigkeit?
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