TrainerInnen in Qualifizierungsmaßnahmen: LeistungsträgerInnen unter mangelhaften Arbeitsbedingungen
Arbeitsmarktkrise beschert Erwachsenenbildung gute Ergebnisse – die Leistung der Beschäftigten in privaten Bildungseinrichtungen muss fair honoriert werden
Die Nachwirkungen der Finanz- und Wirtschaftkrise bescheren dem österreichischen Arbeitsmarkt ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit auf Rekordwerte, wie das nicht zuletzt durch die aktuellen Arbeitsmarktdaten bestätigt wurde. Um möglichst vielen Arbeitssuchenden durch Qualifizierung bessere Jobchancen einzuräumen, ist die Anzahl der SchulungsteilnehmerInnen ebenfalls auf einen Höchststand gestiegen. Damit zählen die privaten Bildungseinrichtungen zu den “Krisengewinnern”. Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) fordert daher, gemeinsam mit den BetriebsrätInnen und Beschäftigten, anlässlich der nächste Woche startenden Kollektivvertragsverhandlungen den ihnen zustehenden Anteil an den guten Ergebnissen der Branche.
Die Beschäftigten leisten täglich ihre engagierten Beiträge zur Entwicklung von höherer Beschäftigungsfähigkeit, zur Umsetzung des Konzeptes des Lebens begleitenden Lernens und machen die aktuellen Erfolge des arbeitsmarktpolitischen Instrumentes Weiterbildung erst möglich. “Beim Gehaltsniveau der Trainerinnen und Trainer gibt es aber großen Nachholbedarf. Die aktuelle wirtschaftliche Situation der Unternehmen lässt alle Argumente gegen eine nachhaltige Anhebung und Absicherung des Gehaltsniveaus ins Leere laufen”, steckt der Verhandlungsführer der GPA-djp, Maximilian Jäger, die Position der ArbeitnehmerInnen ab.
Gesundheitsrisiko Arbeitslosigkeit
Was die “Marienthal-Studie” (“Die Arbeitslosen von Marienthal” – im Übrigen bis heute eine soziologische Vorzeigestudie) bereits den 1930er Jahren an Erkenntnissen zum Problem der Arbeitslosigkeit ans Tageslicht brachte, ist bis heute nicht nur offensichtlich, sondern wird auch in aktuellen Studien immer wieder bestätigt. Arbeitslosigkeit hat massive Auswirkungen auf das physische und vor allem auch psychische Befinden der Betroffenen. Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit wurde hier bereits angesprochen.
In einer aktuellen Untersuchung kommt der DGB nun zu dem Ergebnis, dass die
gesundheitlichen Schäden durch jahrelange Arbeitslosigkeit [...] deutlich größer [sind] als bislang angenommen. [...] Bereits jeder fünfte bis sechste Erwerbslose muss gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen [...]. Dies entspräche einer halben Million Erwerblose. Mehr als doppelt so häufig als Beschäftigte bewerteten Arbeitslose ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig bis sehr schlecht. (Quelle: DGB)
Weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit – fast 400.000 im Februar
Im Februar waren in Österreich 396.332 Personen auf Jobsuche, davon befanden sich 83.426 in Schulungen. Der Anstieg betrug im Vorjahresvergleich 10,2 Prozent bzw. 36.654 Betroffene, wie das Arbeitsmarktservice (AMS) Montagfrüh bekannt gab. (derStandard.at, 01.03.2010)
Details auf derStandard.at bzw. diePresse.com!
Die derzeitige Lage am Arbeitsmarkt setzt nicht nur Jobsuchende unter Druck, sondern auch die Beschäftigten in den Betrieben. Die Arbeitsbedingungen in bestehenden Arbeitsplätzen werden ausgereizt. Statt weiterer Flexibilisierung der Arbeitszeit, wie von der Industriellenvereinigung gefordert, wäre Arbeitszeitverkürzung eine sinnvolle Antwort auf die aktuelle arbeitsmarktpolitische Problemlage, Motto: “Arbeitszeitverkürzung statt Arbeiten bis zum Umfallen”.
AMS-Chef Johannes Kopf: “ohne Sinn und Verstand”
Mehr als 400.000 Arbeitslose, aber rund 25.000 offene Stellen, für die sich niemand findet – wie geht das zusammen? Ulrike Huemer, Arbeitsmarktexpertin des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) rückt im KURIER-Gespräch einige Vorurteile zum Thema Arbeitsmarkt zurecht.
Im Artikel wird AMS-Chef Johannes Kopf zitiert:
Wenn es um einen Job geht? “Sie sind nicht wahnsinnig flexibel und mobil” - ein 17-jähriger Burgenländer gehe lieber stempeln als nach Tirol oder Salzburg arbeiten.
Also dem Herrn Kopf zur Erinnerung: Was bedeutet “wahnsinning” – das Wort “wahnsinnig” geht bis ins 15 Jhdt. zurück bedeutet also in etwa “ohne Sinn und Verstand”. Da die Formen des Phänomens “Wahnsinn” sehr vielfältig sind, können die Interpretationen dessen, was als Symptom dieses Zustands anzusehen ist, sehr unterschiedlich ausfallen. In jedem Fall bewegen sich die Verhaltensweisen und Ausdrucksformen der Wahnsinnigen in bestimmter Weise außerhalb der Norm. Die Betroffenen sind damit aus der Mitte ihrer sozialen Umwelt – im buchstäblichen Sinne – “ver-rückt”.
Also welche Normen hätte der AMS-Chef gerne?
- dass jede/r kreuz und quer durch Österreich fährt, seinen Lebensmittelpunkt hin und her verschiebt
- dass der Berufsschutz aufgehoben wird – die Wichtigkeit von Bildung wird zwar immer betont – aber danach bezahlt zu werden – ist nicht wahnsinnig flexibel
- Arbeiten um jeden Preis am besten mit flexibler Auslegung der Arbeitsrechte
- …
Verrückt – Oder?
Arbeitsklima-Index unterstreicht Notwendigkeit für höheres Arbeitslosengeld
Abgleiten in die Armut muss verhindert werden
Die Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp, Dwora Stein bezieht sich in einer Presseaussendung auf die Ergebnisse einer Sonderauswertung zum Arbeitsklimaindex der AK-Oberösterreich
”Die heute von der AK-Oberösterreich präsentierte Sonderauswertung des Arbeitsklima-Index bestätigt eindrucksvoll die gewerkschaftliche Forderung nach einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes.”
Vier von zehn Arbeitslosen haben zudem mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen.
Wer seinen Job verliert, hat Probleme damit, die monatlichen Fixkosten zu decken. Für 43 Prozent der Arbeitslosen reicht das Einkommen nach eigenen Angaben nicht zum Leben aus. Bei den Beschäftigten sind es hingegen nur sieben Prozent, die mit dem Geld nicht auskommen.
Arbeitslosengeld reicht für jeden Zweiten nicht!
Beinahe jeder zweite Arbeitslose kommt nicht mit seinem Einkommen aus. Das zeigt der aktuelle Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer (AK). Um über die Runden zu kommen, wird an allen Ecken und Enden gespart.
Einen Bericht dazu siehe ORF-Online:
Die Chance auf eine schnelle Rückkehr in das Arbeitsleben wird pessimistisch beurteilt.
Gürtel enger schnallen
Drei von zehn Arbeitslosen gaben an, selbst bei Lebensmitteln sparen zu müssen, weil sie sonst mit dem Arbeitslosengeld nicht auskommen. Zuvor wird aber noch woanders der Gürtel enger geschnallt.Woran gespart wird:
Zwei Drittel der Arbeitslosen sparen beim Urlaub, jeder zweite bei der Bekleidung oder bei seinen Hobbys. Insgesamt gaben 43 Prozent der Arbeitslosen an, mit ihrem Arbeitslosengeld nicht auszukommen. Dauert die Zeit ohne Arbeit länger als ein halbes Jahr, steigt der dieser Anteil auf 53 Prozent.
Sieben Prozent der Befragten mit einem Arbeitsplatz kommen Monat für Monat nicht mit dem Einkommen aus.Soziale Kontakte werden vernachlässigt
Parallel zur Dauer der Arbeitslosigkeit leidet auch die Zufriedenheit. Über 40 Prozent der Arbeitslosen vernachlässigen ihre sozialen Kontakte zu Freunden und Verwandten, jeder zweite fürchtet, den Anschluss ans Berufsleben zu verlieren.Schwieriger Wiedereinstieg
Sechs von zehn Arbeitslosen geben an, sofort wieder arbeiten zu wollen, weitere 20 Prozent möchten später wieder ins Erwerbsleben einsteigen. Rund 75 Prozent sind allerdings der Meinung, dass das sehr schwierig sein wird. 56 Prozent befürchten zudem, dass die Arbeitslosigkeit negative Auswirkungen auf ihr weiteres Fortkommen im Beruf haben wird. Die Chance auf eine schnelle Rückkehr wird pessimistisch beurteilt. 75 Prozent glauben laut Arbeitsklima Index der oberösterreichischen Arbeiterkammer, dass der Wiedereinstieg schwierig sein wird.
Weitere Infos bei der Arbeiterkammer OÖ.
Als das Geld vom Himmel fiel
1,5 Billionen Euro haben die Zentralbanken seit der Finanzkrise erschaffen. Sie gaben sie den Banken, die damit der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen sollten. Doch bei Autoherstellern und Maschinenbauern ist das Geld nie angekommen. Wo ist es geblieben?
In dem Artikel der “Zeit” gehen die RedakteurInnen einer entscheidenden Frage nach:
Ganz am Anfang jedoch gilt es herauszufinden, woher das Geld stammt, das den Kapitalismus zu neuem Leben erwecken sollte. Man muss sich noch einmal an jenem 24. Juni 2009 zu Herrn S. in die Bank begeben, oder genauer: an den Ort, von dem er sich das Geld holte, an den Sitz der Europäischen Zentralbank, in den Eurotower, einen dieser typischen Frankfurter Glaskästen.
Der Artikel zum Downloaden: DIE ZEIT Alsdas GeldvomHimmelfiel
Manager verdienen das 48-fache ihrer Beschäftigten
„Wir brauchen neue Regeln für Managergehälter“, sagt AK Direktor Werner Muhm anlässlich einer Diskussionsveranstaltung der Arbeiterkammer. Kurzfristige Gewinnmaximierung, exorbitante Zuwachsraten für AktionärInnen und ManagerInnen – das sind die Zutaten, die maßgeblich zur aktuellen Wirtschafts-krise beigetragen haben.
Der Aufstand der Armen. Wiederlesen!
Auf dem Blog der Rosa Luxenburg – Stiftung gibt es einen Beitrag, der sich mit dem Buch der beiden Soziologen Richard Cloward und Frances Fox Piven “Aufstand der Armen” (engl.: Poor People’s Movements) beschäftigt. In ihrem Werk setzen sie sich mit sozialen Bewegungen auseinander
Warum erreichen soziale Bewegungen ihre Ziele manchmal und warum manchmal nicht? Wann erreichen sie mit welchen Mitteln welche Ziele? Wie können soziale Bewegungen im Kapitalismus über Anpassungen und Regulation hinaus ernsthafte systemische Veränderungen bewirken?
So viele Steirer ohne Arbeit gab es noch nie
Im Artikel der Kleinen Zeitung vom 27.1.2010 erzählt der 52 jährige Grazer Dieter Schöner über seinen Zustand als “Arbeitsloser”:
Da sei eine große Scham, gesteht der 52-Jährige, in dieser Situation der Arbeitslosigkeit “als Asozialer” gesehen zu werden. Er habe es anfangs selbst nicht glauben können, wie schnell da alle Hoffnung niedergerasselt sei.



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